Volltextsuche

Kreissportverband Ostholstein

Seiteninhalt

13.03.2018

Jeder vierte Ostholsteiner ist im Sportverein

Der ganz große Boom ist zwar vorbei, aber der Kreisverband registriert trotzdem gute Mitgliederzahlen - 15- bis 40-Jährige fehlen in den Klubs

Anfang der 1990er Jahre. Deutschland wird Fußball-Weltmeister, die Republik ist im Tennis-Fieber und die Fitness-Welle schwappt über den großen Teich. Auch in Ostholstein erleben die Sportvereine einen Boom. Inzwischen ist die Zahl der Klubs zurückgegangen, die Zahl der Mitglieder dagegen aber stabil.

"Die Entwicklung des Vereinssports in Deutschland ist eigentlich eine Erfolgsstory", sagt Wolfgang Ruge, Geschäftsführer des Kreissportverbandes. Als die Kreissportverbände Eutin und Oldenburg 1973 fusionierten, habe man zusammen rund 23.300 Mitglieder und 111 Vereine gehabt. 1991 seien es dann schon 57.592 Mitglieder und 266 Vereine gewesen. "Der Boom hielt bis Anfang der 1990er Jahre an", so Ruge. Stand 2017 waren im Kreissportverband noch 194 Vereine gemeldet. "Allerdings konnten wir die Mitgliederzahlen weiter leicht auf 58.581 steigern. "Wir sind sehr froh über die recht gute Entwicklung", sagt der KSV-Geschäftsführer. Statistisch gesehen sei damit mehr als jeder vierte Einwohner des Kreises Ostholstein im organisierten Sport - ein extrem positiver Wert.

Kein Kicken nach der Schule
Die jüngsten Altersgruppen bis 14 Jahre hätten dabei in vielen Sportarten den größten Zuspruch. Mini-Mannschaften im Fußball oder Handball, aber auch Kinderturnen seien sehr beliebt. "Das größte Problem ist dann der Zeitraum von der Pubertät bis ins mittlere Erwachsenenalter", erläutert Ruge. "Über die Jahre ist das Konkurrenzangebot zum Sport gewachsen", bestätigt auch Lars Braesch vom Fußballverband. Dennoch konnten die Fußballer seit 1991 rund 900 Mitglieder auf über 9.000 hinzugewinnen. "Aber das sind nicht alles Aktive", erklärt Ruge, der selbst Spieler und Trainer war. Früher habe man sich nach der Schule auf dem Bolzplatz getroffen und sei noch zwei Mal in der Woche zum Training gegangen. Heute gebe es in Ganztagsschulen und Kinder hätten viele andere Interessen. Und da es kaum noch ältere Jugendliche in den Vereinen gebe, müssten laut Braesch Spielgemeinschaften gebildet werden. Auch bei den Herren sei dies der Fall, es würden schon Neun-Mann-Teams gemeldet, das sogenannte Norweger-Modell.

Außer bei denn Kleinsten gebe es auch beim Seniorensport Zuwächse, bestätigt Wolfgang Ruge. Dies lasse sich an den Zahlen des Turnverbandes klar erkennen. Die Turner hätten ihre Mitgliederzahlen von 7.212 (1991) auf heute 12.483 deutlich gesteigert. "Turnen, Fußball und Handball - das sind unsere Hauptsportarten. Die großen Treiber. Segeln gehört natürlich auch dazu", sagt Ruge.

Die Handballer seien im Vergleich zu 1991 auf einem Niveau von rund 3.300 geblieben, ähnlich wie die Segler (um 3.854). Verluste hätten neben der Leichtathletik, die in den vergangenen 26 Jahren von 1.148 auf 905 Mitglieder in 2017 rutschte, vor allem der Tennissport erlebt, sagt Wolfgang Ruge. Seien es mitten im Becker- und Graf-Boom etwas 5.000 Mitglieder gewesen, zählte der Fachverband in Ostholstein 2017 nur noch 2.842.

Schwierige Jugendarbeit
"Diese Zeit war ein absoluter Gewinn für das Tennis. Danach brach es ein", erzählt Andreas Lehmann, Vorsitzender des Tennisclub Grün-Weiß Neustadt. Allerdings konnte sein Klub seine Zahlen mittlerweile sogar von 308 Mitglieder im Jahr 1991 auf jetzt 352 steigern. Der Verein leiste eine sehr gute Jugendarbeit, die Region sei bei Zuzüglern sehr beliebt und der Klub habe Spielgemeinschaften gebildet, die für ein höheres Nievau sorgen würden, erzählt Lehmann. "Die Schwierigkeit liegt aber darin, egal in welcher Sportart, die jungen Leute bei der Stange zu halten". Die Interessen würden sich generell verschieben, der organisierte Vereinssport nach festgelegten Zeiten habe Probleme. So müsse man die wenigen und jungen erfolgreichen Leistungssportler aus dem Kreis fördern, sagt Lehmann.

Dies tue der Kreissportverband Ostholstein, betont deren Geschäftsführer und verweist beispielsweise auf die beiden Leichtathleten Niklas Sagawe (PSV Eutin) und Jonas Langbehn (Bosauer SV) sowie auf den Nachwuchsschwimmer Silas Beth von der SG Bad Schwartau, der nun sogar am Olympiastützpunkt in Hamburg trainiere. "Es ist besonders wichtig für uns, das Ehrenamt zu stärken", hebt Wolfgang Ruge hervor und ergänzt: "Die lizensierten Übungsleiter sind das Rückgrat unseres Sportlebens, um die jungen Menschen zu unterrichten und ihnen den Sport näherzubringen".

Bericht: Markus Billhardt
LN: 7. März 2018